Ein Weltrekord hinter Gittern

Karl May - gefangene Visionen > Ehrgeiz, Genialität und Neid - Biografie Teil 2
Ehrgeiz, Genialität und Neid - Biografie Teil 2

Der Mensch Karl May

Nach den kriminellen Eskapaden der ersten 30 Lebensjahre verließ Karl May das Zuchthaus Waldheim geläutert. Schon bald lernte er eine junge Dame kennen und verzeichnete erste Erfolge als Autor und Schriftsteller.

Die kreativen Jahren eines Genies

May selbst berichtete über einen inneren Wandel, den er im Zuchthaus Waldheim erlebt hatte. Nach seiner Freilassung ging er zunächst zurück zu seinen Eltern nach Ernstthal. Seine Erzählung ‚Die Rose von Ernstthal‘ wurde noch im selben Jahr veröffentlicht. Außerdem begann May für den Verlagsbuchhändler Münchmayer zu redigieren.

In Hohenstein lernte er Emma Pollmer kennen, mit der er in eine Wohnung nach Dresden zog. Im Jahr 1879 wurde der inzwischen gesetzestreue May unrechtmäßig wegen einer angeblichen Amtsanmaßung verhaftet und musste eine etwa dreiwöchige Haftstrafe absitzen, was für ihn eine große Demütigung darstellte.

Nachdem Karl May seine Geliebte Emma Pollmer geheiratet hat, zogen die Beiden zurück nach Hohenstein. May schloss einen sehr lukrativen Vertrag mit dem Verleger Heinrich Münchmeyer ab, in dessen Auftrag er Fortsetzungsromane und Beiträge schrieb. In seiner Reiseerzählung ‘Unter Würgern‘ fiel zum ersten Mal der Name ‚Old Shatterhand‘.

May war ein äußerst produktiver Schriftsteller und verfasste jährlich bis zu 3.770 Manuskriptseiten. Zwischen 1882 und 1890 entstanden unter anderem bedeutende Werke wie ‘Waldröschen oder die Rachejagd rund um die Erde‘, ‘Der Schatz der Inkas‘ und ‘Der Schatz im Silbersee‘. Mays Erfolgsrezept war auch „die Exotik der beschriebenen Länder, die seine Leser damals nicht ohne weiteres bereisen konnte. Auch der Kampf seiner Helden für das Gute, die Aufrichtigkeit und der Mut sind sicher bis heute menschliche Tugenden und Werte, die faszinieren.“, erklärt André Köhler vom Karl-May-Museum Radebeul.

Eine Legende erwacht zum Leben: Old Shatterhand

Es muss im Sommer 1894 gewesen sein, als May an seinem Roman ‘Old Surehand I‘ schrieb. Durch den Protagonisten Old Shatterhand versuchte er auch sein eigenes Schicksal aufzuarbeiten. So sagt Shatterhand über sich selbst, dass er als krankes und schwaches Kind geboren worden und im Laufe seines Lebens dreimal blind gewesen sei. Eine eindeutige Anspielung auf Mays frühe Kindheit und die Angst, erneut zu erblinden.

„Für May war Old Shatterhand Mitte der 1890er real. Er sagte: ‚Ich selbst bin Old Shatterhand und habe all jene Abenteuer und Heldentaten, die in meinen Büchern geschrieben stehen, selbst erlebt.‘ Er kleidete sich mit Lederjacke, Lasso, Revolvern und Tierzahnkette und präsentierte als Old Shatterhand Winnetous Silberbüchse. In diesem Rollenspiel lag die Verkörperung seines idealen ‚ich‘“, beschreibt Köhler die besondere Bindung.

Im Jahr 1895 kaufte Karl May eine Villa in Radebeul und taufte sie auf den Namen ‘Villa Shatterhand‘. Daneben verstand er es bestens, durch seine Old-Shatterhand-Verkörperung Aufsehen zu erregen und sich selbst zu vermarkten. Das mündete letztlich darin, dass er von der Presse zunächst sachlich kritisiert, später aber übel attackiert wurde.

Liebe und Legendenstatus gehen vorüber

Im März 1899 brach der Schriftsteller allein auf, um erstmals den Orient zu bereisen. Nach 15-monatiger Reise fühlte sich May wie gewandelt und widmete sich fortan unter anderem der Menschenliebe und der Aussöhnung der Völker. Die Shatterhand-Legende war gestorben, genau wie die Liebe zu seiner Frau Emma.

Die langjährige Bekannte eines befreundeten Ehepaars, Klara Plöhn, wurde schließlich Mays zweite Ehefrau. Gemeinsam mit ihr ließ er vom Maler Sascha Schneider einen großen Teil seiner Bücher mit neuen Titelbildern versehen, die den künstlerischen und pazifistischen Wert seiner Werke unterstreichen sollten. In dieser Zeit veröffentlichte May auch ein Buch mit dem Titel ‘Und Friede auf Erden!‘.

Die letzten Jahre vor Gericht

In seinen letzten Lebensjahren schrieb May ein weiteres Buch über seine Zeit im Verlag von Heinrich Münchmeyer unter dem Titel ‘Ein Schundverlag‘. Daraufhin kam es zur Anklage wegen Beleidigung, wobei Karl May das Verfahren in mehreren Instanzen gewann.

Überhaupt war „das letzte Jahrzehnt bis zu seinem Tod 1912 von vielen juristischen Auseinandersetzungen überschattet. Die Urheberrechte seiner Kolportageromane und die Vorstrafen seiner Jugendzeit standen im Mittelpunkt. Seine Gegner und Neider wollten ihm das Leben schwer machen, was ihnen gelang“, fasst André Köhler zusammen.

Der begnadete Märchenerzähler Karl May wurde 70 Jahre alt. Sein Gesamtwerk umfasst rund 100 Bücher und wurde ich 40 Sprachen übersetzt. Die Gesamtauflage wird auf 200 Millionen geschätzt und macht ihn damit zum meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Er bescherte Millionen von Lesern unzählige genussvolle Stunden mit Geschichten aus fernen Ländern und richtet dabei ihren Blick auf die wichtigsten Dinge im Leben.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

JoomlaWatch 1.2.12 - Joomla Monitor and Live Stats by Matej Koval

Veranstaltungszeitraum

Das Projekt fand vom  14. März bis 3. Mai 2011 statt.

Lesezeit

Nach 1 Monat, 19 Tagen ist der Weltrekord beendet.

Social Media

Facebook Twitter Karl May - gefangene Visionen bei Xing Karl May - gefangene Visionen bei StudiVZ

Ein Projekt der

Karl May - gefangene Visionen ein Projekt der Hochschule Mittweida

Zitate zu Karl May

  • Auf der Straße haben wir Old Shatterhand und Winnetou nachgespielt.

    Erol Sander, Schauspieler und Winnetou-Darsteller
  • Ich denke noch mit Vergnügen an die Lektüre der Märchen (...) Auch Karl May durfte nicht fehlen.

    Franz Josef Strauß, Politiker und ehemals Bayerischer Ministerpräsident
  • Wenn ich von nichts eine Ahnung habe, aber bei Karl May kenne ich mich aus: Professor Vitzliputzli usw.

    Thomas Gottschalk, Entertainer und Showmaster
  • Die meisten Reisebücher, die ich las, haben mich gelangweilt, ein Karl-May-Buch nie.

    Dr. Albert Einstein, Physiker und Philosoph
  • Ich hörte von Karl May, bevor ich ihn las. Durch die Wüste war (…) die erste Lese-Reise, die ich mit dem Erfinder der Kopfreise unternahm.

    Peter Härtling, Schriftsteller
  • Karl May, die Mutter aller Blutsbrüder...

    Michael Bully Herbig, Comedian, Schauspieler, Regisseur und Produzent
  • Die Wirkung von Karl Mays Figuren beruht darauf, dass sie unsere Phantasie anregen.

    Norbert Blüm, Politiker und Bundesminister a. D.
  • Winnetou ist mir wohl (…) in Erinnerung geblieben, weil mich seine Freundschaft mit dem weißen Jäger Old Shatterhand beeindruckte.

    Dr. Helmut Kohl, ehem. Bundeskanzler
  • Ich verbinde mit Karl May viele Jugendträume. Die Abenteuer der Indianer und Cowboys haben jede Generation (…) in ihren Bann geschlagen.

    Freddy Quinn, Sänger und Schauspieler
  • Vor allem aber steht Winnetou zu seinem Wort. Solche Grundprinzipien sind heute wichtiger denn je.

    Erol Sander, Schauspieler und Winnetou-Darsteller
  • Als ich jung war, gab ‘s kaum ‘ne Familie, wo es nicht auch ein Karl-May-Buch gegeben hat.

    Helmut Schmidt, Politiker und ehemals Bundeskanzler
  • Karl May war für mich in meiner Jugend das, was heute für die Kinder und Jugendlichen Harry Potter ist.

    Horst Seehofer, Politiker und Bayerischer Ministerpräsident
  • Die wahren Leseerlebnisse, an die ich mich erinnere, haben mit Karl May zu tun. Ich las einen großen Teil seines Gesamtwerks nämlich heimlich.

    Martin Suter, Schriftsteller
  • Winnetou, Old Shatterhand, Old Firehand: Für mich sind das die Vorläufer der Spaghettiwestern.

    Quentin Tarantino, Regisseur, Schauspieler, Filmproduzent
  • Winnetou. Der war großartig. Als Kind träumte ich davon, Winnetous Schwester Nscho-tschi sein zu können.

    Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales
  • Winnetou ist unsterblich, und für die Fans ist die Präsenz von Karl May immer gegeben.

    Jürgen von der Lippe, Entertainer und Showmaster
  • Mich begleitet bis heute das Ethos von Karl Mays Helden.

    Stanislav Tillich, sächsischer Ministerpräsident
  • Fantasie und Utopie sind die Grundsteine der Kreativität, auch wenn sie aus Erzählungen Anderer entspringen.

    Marc M., Dresden
  • Dank Karl May habe ich als Kind geglaubt, dass jeder Schuss beim ersten Mal trifft.

    Anett L., Rostock
  • Ich denke an wilde, romantische Abende am Lagerfeuer.

    Heike W., Braunschweig
  • Ich verbinde mit Karl Mays Werken all meine schönsten Erinnerungen aus der Jugend

    Johanna B., Dresden
  • Ich bin mindestens genauso begabt wie Old Shatterhand.

    Gloria E., Falkenstein
  • So sprach der alte Häuptling der Indianer, wild ist der Westen und schwer ist der Beruf.

    Julia H., Leipzig
  • Nur wenn der Weg richtig bitter schmeckt, kann das mögliche Ziel richtig süß sein.

    Sebastian S., Mittweida
  • Ich glaube, Karl May war völlig verrückt. Aber nur Verrücktes kann man sieben Wochen am Stück aushalten.

    Oleg J., St.Petersburg
  • Meine Leidenschaft für Kultur und Kunst begann mit seinen Werken.

    Stefanie W., Magdeburg
  • Die Leselampe auf dem Tisch wird erst nach sieben Wochen wieder ausgemacht.

    Philipp R., Bad Salzungen
  • Mein persönlicher Lesemarathon findet jeden Abend statt – bis die Augen zufallen.

    Juliette K., Chemnitz
  • Ein Weltrekord im Gefängnis? Klingt absurd, ist aber so! Wer das verpennt, gehört hinter Gittern.

    Luisa B., Görlitz
  • Eine Gemeinsamkeit zwischen Karl May und mir: An Fantasie mangelt es schon mal nicht.

    Kristin O., Dresden
  • Karl May? Winnetou!

    Uwe W., Berlin
  • Hätte nie gedacht einen Weltrekord mit aufzustellen. Dazu musste ich erst nach Mittweida kommen.

    Sebastian K., Erding
  • Ein bisher noch nie da gewesenes Projekt der anderen Art und ein engagiertes Team.

    Franziska K., Chemnitz

Seitenaufrufe

869223 Aufrufe