Ein Weltrekord hinter Gittern

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Die jungen Jahre eines Genies - Biografie Teil 1

Artikel: Die jungen Jahre eines Genies

Millionen Leser begleitete Karl May mit seinen Geschichten bisher auf eine Reise in weite Steppen. Wie kaum ein Zweiter verstand er es, seine schier unerschöpfliche Fantasie für unzählige Werke zu nutzen. Dabei war sein Leben alles andere als leicht.

Doch wer war der Mensch hinter Old Shatterhand und Winnetou?

»Wie ein Mensch, ein Hund, ein Tisch aussieht, das wußte ich nicht. «

Karl May wurde 1842 im sächsischen Ernstthal in eine arme Weberfamilie geboren. Oft reichte es nicht einmal für ausreichend Nahrung und so litt May aufgrund der schlechten Lebensumstände schon früh unter geschwollenen Augenliedern und Lidkrämpfen.

Weil er deshalb sehr hilfsbedürftig war, verbrachte er viel Zeit unter der Obhut seiner Großmutter. Sie war es, die ihm die romantische Märchenwelt näherbrachte. „Viele Karl-May-Biographen sehen in den phantasievollen Märchenerzählungen der Großmutter den Ursprung von Mays Fantasie, die durchaus als entscheidender Erfolgsfaktor seiner Werke gesehen werden kann.“, sagt André Köhler vom Karl May Museum Radebeul.

Diese Idylle wurde aber jäh durch Mays Vater und dessen radikale Erziehungsmethoden gestört. May brachte seine Erinnerungen später zu Papier: „Am Webstuhl hing ein dreifach geflochtener Strick, der blaue Striemen hinterließ, und hinter dem Ofen steckte der wohlbekannte »birkene Hans«, vor dem wir Kinder uns besonders scheuten.“ Außerdem musste der kleine Karl auf Befehl des Vaters unzählige Bücher lesen und teilweise sogar abschreiben, um sich so viel Wissen anzueignen.

Geschichten aus der weiten Welt

Mit zwölf Jahren verdiente sich Karl May in einer Kegelbahn etwas Geld und kam so in Kontakt mit Heimkehrern aus der Neuen Welt. Dort lauschte er ihren Geschichten aus der ihm fremden Gegend: „Amerika, die neue Welt, war im 19. Jahrhundert für viele Deutsche ein - ich möchte sagen Sehnsuchtsland der Freiheit.“, erklärt Köhler. May war tief beeindruckt und schrieb schon wenige Jahre später seine erste Indianergeschichte.

Später studierte May mit dem Ziel Lehrer zu werden. Da sich seine finanzielle Situation nicht gebessert hatte, versuchte er seinen Lebensunterhalt erstmals auf illegale Weise aufzubessern. Grund allen Übels waren sechs Kerzen, die er für den elterlichen Weihnachtsbaum entwendete. Daraufhin wurde er vom Lehramtsstudium ausgeschlossen, bekam aber wenig später in Plauen eine zweite Chance und schnitt letztlich mit „gut“ ab.

Ab November 1861 war er als Fabriklehrer einer Chemnitzer Firma tätig und teilte sich eine kleine Stube mit dem Buchhalter. Dieser überließ May eine kleine Taschenuhr zur Leihe, damit er nicht zu spät zur Schule komme. Als May am Heiligabend mit dem Zug nach Hause fahren wollte, hatte er die Uhr versehentlich noch bei sich. Am Bahnhof wurde er deshalb verhaftet und leugnete zunächst den Besitz. Da man die Uhr jedoch bei ihm fand, kam May eher unschuldig in Haft und erhielt Berufsverbot als Lehrer. André Köhler: „Die Kassation seiner Lehrerlaubnis war sicher mitentscheidend, dass May auf dem Pfad der Verzweiflung fortschritt und so nach dem Urteil anderer zum ‚Kleinkriminellen‘ wurde.“

May in Mittweida

Die Existenz des jungen Lehrers war völlig zerstört. May zerbrach schließlich daran und litt unter psychischen Problemen, die er selbst „tausend Teufel“ nannte. Es folgten zahlreiche Diebstähle und er wurde wieder und wieder inhaftiert. Im Arbeitshaus Osterstein erhielt May Zugang zur umfangreichen Gefängnisbibliothek und widmete sich dem Lesen und Schreiben. In dieser Zeit verstarb auch seine geliebte „Märchengroßmutter“. Vorzeitig entlassen, erfuhr der 27-Jährige in Freiheit vom Tod seiner Großmutter, was ihn erneut aus der Bahn warf. Er setzte die Betrügereien und das Stehlen fort.

Im Jahr 1869 entwendete May aus dem Kegelhaus der Hohensteiner Gastwirtschaft Engelhardt ein Handtuch und eine Zigarrenpfeife. Nach einer abermaligen Festnahme wurde er im Mittweidaer Bezirksgerichtsgefängnis untergebracht. Bei einer Überführung gelang ihm die Flucht, doch ein halbes Jahr später wurde er wieder ergriffen. Das Bezirksgericht Mittweida verurteilte May zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren. Zunächst saß er vom 14. März bis 3. Mai 1870 in einer Zelle des Gerichtes, bevor er in das Zuchthaus Waldheim gebracht wurde. „Als May durch das Bezirksgericht Mittweida erneut zu vier Jahren Zuchthausstrafe verurteilt wurde, war das die Fortsetzung einer Entwicklung des sozialen Abstiegs", erklärt André Köhler vom Karl-May-Museum. „Für mich ist immer wieder erstaunlich, wie sich der Mensch May aus diesen ‚Gefilden der Gesellschaft‘ trotzdem emporarbeitete.“ Denn nach der Zuchthausstrafe spürte Karl May einen inneren Wandel und ging äußerst kreativen Jahren entgegen.

Über das Leben und Schaffen des legendären Karl Mays bis hin zu seinem Tod lesen Sie im zweiten Teil seiner Biografie.

 
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Veranstaltungszeitraum

Das Projekt fand vom  14. März bis 3. Mai 2011 statt.

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Nach 1 Monat, 19 Tagen ist der Weltrekord beendet.

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Karl May - gefangene Visionen ein Projekt der Hochschule Mittweida

Zitate zu Karl May

  • Auf der Straße haben wir Old Shatterhand und Winnetou nachgespielt.

    Erol Sander, Schauspieler und Winnetou-Darsteller
  • Ich denke noch mit Vergnügen an die Lektüre der Märchen (...) Auch Karl May durfte nicht fehlen.

    Franz Josef Strauß, Politiker und ehemals Bayerischer Ministerpräsident
  • Wenn ich von nichts eine Ahnung habe, aber bei Karl May kenne ich mich aus: Professor Vitzliputzli usw.

    Thomas Gottschalk, Entertainer und Showmaster
  • Die meisten Reisebücher, die ich las, haben mich gelangweilt, ein Karl-May-Buch nie.

    Dr. Albert Einstein, Physiker und Philosoph
  • Ich hörte von Karl May, bevor ich ihn las. Durch die Wüste war (…) die erste Lese-Reise, die ich mit dem Erfinder der Kopfreise unternahm.

    Peter Härtling, Schriftsteller
  • Karl May, die Mutter aller Blutsbrüder...

    Michael Bully Herbig, Comedian, Schauspieler, Regisseur und Produzent
  • Die Wirkung von Karl Mays Figuren beruht darauf, dass sie unsere Phantasie anregen.

    Norbert Blüm, Politiker und Bundesminister a. D.
  • Winnetou ist mir wohl (…) in Erinnerung geblieben, weil mich seine Freundschaft mit dem weißen Jäger Old Shatterhand beeindruckte.

    Dr. Helmut Kohl, ehem. Bundeskanzler
  • Ich verbinde mit Karl May viele Jugendträume. Die Abenteuer der Indianer und Cowboys haben jede Generation (…) in ihren Bann geschlagen.

    Freddy Quinn, Sänger und Schauspieler
  • Vor allem aber steht Winnetou zu seinem Wort. Solche Grundprinzipien sind heute wichtiger denn je.

    Erol Sander, Schauspieler und Winnetou-Darsteller
  • Als ich jung war, gab ‘s kaum ‘ne Familie, wo es nicht auch ein Karl-May-Buch gegeben hat.

    Helmut Schmidt, Politiker und ehemals Bundeskanzler
  • Karl May war für mich in meiner Jugend das, was heute für die Kinder und Jugendlichen Harry Potter ist.

    Horst Seehofer, Politiker und Bayerischer Ministerpräsident
  • Die wahren Leseerlebnisse, an die ich mich erinnere, haben mit Karl May zu tun. Ich las einen großen Teil seines Gesamtwerks nämlich heimlich.

    Martin Suter, Schriftsteller
  • Winnetou, Old Shatterhand, Old Firehand: Für mich sind das die Vorläufer der Spaghettiwestern.

    Quentin Tarantino, Regisseur, Schauspieler, Filmproduzent
  • Winnetou. Der war großartig. Als Kind träumte ich davon, Winnetous Schwester Nscho-tschi sein zu können.

    Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales
  • Winnetou ist unsterblich, und für die Fans ist die Präsenz von Karl May immer gegeben.

    Jürgen von der Lippe, Entertainer und Showmaster
  • Mich begleitet bis heute das Ethos von Karl Mays Helden.

    Stanislav Tillich, sächsischer Ministerpräsident
  • Fantasie und Utopie sind die Grundsteine der Kreativität, auch wenn sie aus Erzählungen Anderer entspringen.

    Marc M., Dresden
  • Dank Karl May habe ich als Kind geglaubt, dass jeder Schuss beim ersten Mal trifft.

    Anett L., Rostock
  • Ich denke an wilde, romantische Abende am Lagerfeuer.

    Heike W., Braunschweig
  • Ich verbinde mit Karl Mays Werken all meine schönsten Erinnerungen aus der Jugend

    Johanna B., Dresden
  • Ich bin mindestens genauso begabt wie Old Shatterhand.

    Gloria E., Falkenstein
  • So sprach der alte Häuptling der Indianer, wild ist der Westen und schwer ist der Beruf.

    Julia H., Leipzig
  • Nur wenn der Weg richtig bitter schmeckt, kann das mögliche Ziel richtig süß sein.

    Sebastian S., Mittweida
  • Ich glaube, Karl May war völlig verrückt. Aber nur Verrücktes kann man sieben Wochen am Stück aushalten.

    Oleg J., St.Petersburg
  • Meine Leidenschaft für Kultur und Kunst begann mit seinen Werken.

    Stefanie W., Magdeburg
  • Die Leselampe auf dem Tisch wird erst nach sieben Wochen wieder ausgemacht.

    Philipp R., Bad Salzungen
  • Mein persönlicher Lesemarathon findet jeden Abend statt – bis die Augen zufallen.

    Juliette K., Chemnitz
  • Ein Weltrekord im Gefängnis? Klingt absurd, ist aber so! Wer das verpennt, gehört hinter Gittern.

    Luisa B., Görlitz
  • Eine Gemeinsamkeit zwischen Karl May und mir: An Fantasie mangelt es schon mal nicht.

    Kristin O., Dresden
  • Karl May? Winnetou!

    Uwe W., Berlin
  • Hätte nie gedacht einen Weltrekord mit aufzustellen. Dazu musste ich erst nach Mittweida kommen.

    Sebastian K., Erding
  • Ein bisher noch nie da gewesenes Projekt der anderen Art und ein engagiertes Team.

    Franziska K., Chemnitz

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